Das Projekt von Médecins du Monde Schweiz konzentriert sich auf Prävention, Pflege und Sensibilisierung. Wir beteiligen uns an der Verbesserung des Zugangs zu sexueller Gesundheit und an der Verringerung aller Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. In Schulen, Polizeidienststellen und Krankenhäusern unterstützen wir unsere lokalen Partner bei der Vermittlung von Bildungs- und Präventionsbotschaften.

Im Tierheim von Petit-Goâve werden Mädchen und junge Mütter aufgenommen und untergebracht. Dieser Raum bietet Schutz, Betreuung und vertrauliches Zuhören. Außer Sichtweite begleitet dieser Ort die Opfer und ihr Gefolge.

35 % der Frauen, d.h. mehr als 1 von 3, haben physische oder sexuelle Gewalt erlitten.

Die durchgeführten Aktivitäten heben die Gemeinschaft durch den lokalen Partner hervor, der in Petit-Goâve und Grand-Goâve anerkannt und respektiert wird. Dieser Ansatz fördert die individuellen Fähigkeiten des Einzelnen und unterstützt das Empowerment der Bevölkerung.

„L’Espoir des femmes haïtiennes“, ein privilegierter Partner

Um eine starke und direkte Wirkung zu fördern, hat Médecins du Monde beschlossen, die Zivilgesellschaft zu stärken. Die vor 16 Jahren in Petit-Goâve gegründete Haitian Women’s Hope (EFH) arbeitet aktiv mit den Gemeinschaften bei der Bewältigung von Fällen sexueller oder häuslicher Gewalt, der Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten und der Berufsausbildung zusammen. Dieser Ortsverband hat etwa 1500 Mitglieder in allen kommunalen Sektionen der Region. Dank der Beiträge ihrer Mitglieder ist es der EFH gelungen, ein System von Kooperativen zur Finanzierung ihrer Aktivitäten einzurichten und auch eine Unterkunft zu koordinieren, in der Gewaltopfer und ihre Kinder aufgenommen werden.

Sexuelle Gesundheit, ein Tabuthema

In einem Land, in dem 11% der heranwachsenden Mädchen bereits ein Kind bekommen und zwei Drittel der Geburten von Frauen unter 20 Jahren unerwünscht sind, ist die Notwendigkeit, die Präventivmedizin bei den Jüngsten zu stärken, eine Priorität.

In Haiti haben Traditionen und religiöse Überzeugungen einen sehr starken Einfluss auf das Verhalten der Bevölkerung und verurteilen häufig die Aufklärung über Sexualität und jegliche Verwendung von Verhütungsmitteln. Die Tabus im Bereich der sexuellen Gesundheit sind sehr stark ausgeprägt, und Jugendliche erhalten kaum verlässliche Informationen zu diesem Thema und trauen sich nicht, danach zu fragen.

Auch wenn das Problem der geschlechtsspezifischen Gewalt im Land nach wie vor recht undurchsichtig und daher schwer zu quantifizieren ist, so ist es doch real und betrifft alle sozialen Schichten: So erklären 30 % der haitianischen Frauen, körperliche Gewalt und 15 % sexuelle Gewalt erlitten zu haben.

Mangelnde Kontrolle über die eigene Sexualität und mangelndes Gender-Bewusstsein haben einen sehr sichtbaren Einfluss auf die Gesundheit junger Menschen und ihre Integration in die Gesellschaft. So ist zum Beispiel der Abbruch der Schulausbildung bei weiblichen Müttern ein Faktor für anhaltende wirtschaftliche Ungleichheit.

Médecins du Monde, ein langfristiges Engagement in Haiti

Médecins du Monde Schweiz arbeitet seit 1995 in der Region Goâvi, im westlichen Departement Haiti, und unterstützt die Unité Communale de Santé (UCS) in Petit-Goâve durch die Koordination von Projekten im Einklang mit der nationalen Gesundheitspolitik. MdM Schweiz war ein wichtiger Akteur bei der Leitung der Einheit zur Ernährungsstabilisierung (USN) in Petit-Goâve und unterstützt seit vielen Jahren die kommunale Gesundheitskomponente in der Goâve-Zone. Die sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie die Gesundheit von Kindern stehen seit jeher im Mittelpunkt der Projekte, die von den multidisziplinären Teams von Médecins du Monde durchgeführt werden, wobei eines ihrer Handlungsprinzipien auf der Stärkung der lokalen Regierungsführung beruht.

Nach den Natur- und Gesundheitskatastrophen, die das Land in den letzten Jahren erschüttert haben – das Erdbeben im Jahr 2010 oder der Hurrikan Matthew im Jahr 2016 – hat Médecins du Monde Schweiz auch Nothilfeprojekte koordiniert, die sich hauptsächlich auf den Wiederaufbau von Gesundheitsstrukturen und die Behandlung von Cholera konzentrieren.

In Petit-Goâve teilt MdM Schweiz seine Büros mit MdM Spanien und MdM Kanada und arbeitet mit diesen beiden Sektionen zum Thema reproduktive Gesundheit und Umgang mit Gewalt zusammen.

Eine von allem beraubte Bevölkerung

Die anhaltenden politischen Krisen, die zuletzt durch die zahlreichen gewalttätigen Demonstrationen veranschaulicht wurden, haben die haitianische Staatsführung weiter geschwächt, die durch Korruption und Interventionismus der internationalen Gemeinschaft untergraben wurde. Die Verwüstungen, die der Hurrikan Matthew im Oktober 2016 angerichtet hat, haben auch die wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten eines Landes wieder aufleben lassen, das weiterhin in stiller Prekarität lebt.

Mit einer geschätzten Lebenserwartung von 63 Jahren und einer Alphabetisierungsrate, die nicht mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmacht, liegt Haiti nach dem Human Development Index (HDI) weltweit auf Platz 163. Die Inflation erreichte nach IHSI-Daten im Jahr 2016 12,5%, was die Kosten für Importe in einem Land, das bereits stark von ausländischer Hilfe abhängig ist, erheblich erhöht. Tatsächlich stammen fast 50% des Budgets und 80% der Investitionen aus internationalen Quellen, während alle Kohlenwasserstoffe und mehr als 65% der Nahrungsmittel trotz des starken landwirtschaftlichen Potentials der Insel importiert werden.

In diesem schwierigen Kontext ist das Gesundheitssystem Haitis nach wie vor von großen Ungleichheiten und großen Unterschieden beim Zugang zur Gesundheitsversorgung gekennzeichnet.

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