In der Westschweiz sind schätzungsweise 500 Frauen und 1500 Männer obdachlos. Die Lebensbedingungen von Obdachlosen sind extrem prekär und setzen sie vermehrt physischen und psychischen Gesundheitsproblemen aus. Isoliert, ohne Zugang zu einer Unterkunft und ohne regelmäßige medizinische Versorgung haben Obdachlose zu oft Angst, sich an geeignete Strukturen der Gesundheitsversorgung zu wenden. Die Folgen sind katastrophal für gefährdete Menschen, besonders in dieser Zeit der Coronavirus-Pandemie.

Die Antwort von Médecins du Monde

Angesichts der Schwierigkeit des Zugangs zur Gesundheitsversorgung für die obdachlose Bevölkerung bietet Médecins du Monde einen Dienstplan mit einer Krankenschwester und einem Krankenpfleger in den Notaufnahmestrukturen im Kanton Waadt an. Das Projekt ist das Ergebnis einer Advocacy-Initiative der Aufnahmestrukturen im Kanton Waadt, die Médecins du Monde Schweiz 2019 mit der Konzeption und Umsetzung der Aktivitäten beauftragt hat.

Vor Ort sollte die Präsenz von Médecins du Monde in den Aufnahmezentren Obdachlosen einen einfachen, anonymen Zugang ohne Termin bei einer medizinischen Fachkraft ermöglichen.

Die Rolle des Gesundheitspersonals besteht darin, Gesundheitsprobleme zu beurteilen, Pflege zu leisten, zuzuhören, zu beruhigen, anzuleiten, Fragen zu beantworten, das Bewusstsein zu schärfen, zu überprüfen, zu beraten oder Risikosituationen zu erkennen. Beratungen bieten auch einen Raum, um mit Menschen zu sprechen, die sich meist in einer sehr prekären Lebenssituation befinden.

Plädoyer

In enger Zusammenarbeit mit den in Lausanne, Vevey und Yverdon-les-Bains eingerichteten Strukturen setzt sich Médecins du Monde dafür ein, der Sache des Zugangs zur Gesundheitsversorgung für die obdachlose Bevölkerung Sichtbarkeit zu verleihen. Die Erfahrungen aus der Arbeit in den Aufnahmezentren werden es ermöglichen, die gesundheitliche Situation von Obdachlosen in den Einsatzstädten zu dokumentieren, um eine bessere Sensibilisierung und Lobbyarbeit für den Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle zu ermöglichen.

Ein Projekt des öffentlichen Gesundheitswesens Beratungen in Unterkünften haben den Effekt, dass die Inanspruchnahme von Notaufnahmen in Krankenhäusern reduziert wird; diese Reduzierung wird auf 30 % geschätzt. Im Ergebnis verbessert diese sogenannte niedrigschwellige Versorgung die Qualität der Versorgung und kommt der gesamten Bevölkerung zugute.

 

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