Tabus brechen und Gesundheit fördern

Sexuelle Gesundheit und Kampf gegen geschlechtsbezogene Gewalt in Haiti

Zehn Jahre nach dem zerstörerischen Erdbeben in Haiti arbeitet Médecins du Monde weiterhin eng mit der Zivilgesellschaft in der Stadt Petit-Goâve und in der umliegenden Region zusammen. Die Gesundheitsförderung für Mutter und Kind sowie der Kampf gegen geschlechtsbezogene Gewalt sind hier die zentralen Themen.

In Zusammenarbeit mit der lokalen Organisation Espoir des Femmes Haïtiennes (EFH) haben wir partizipative Workshops organisiert, um die konkreten Massnahmen des Projekts zu definieren. Die Sensibilisierungsprogramme für Jugendliche wurden somit auf zusätzliche Schulen im ländlichen Gebiet erweitert. Die lokale Bevölkerung hat ausserdem ihren Wunsch nach einem Ausbau ihrer Kompetenzen geäussert, insbesondere in Bezug auf die Koordination, auf die sexuelle Gesundheit und die Betreuung von Gewaltopfern.

Médecins du Monde Schweiz arbeitet seit 1995 in Haiti. Das Erdbeben vom 12. Januar 2010 und die darauf folgenden Naturkatastrophen drängte sich die auf. In diesem Kontext koordinierten wir den Wiederaufbau von medizinischen Einrichtungen und die Eindämmung der Cholera-Epidemie. Seit 2017 liegt unser Fokus auf der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, auf der Gesundheit der Kinder sowie auf dem Kampf gegen geschlechtsbezogene Gewalt.

Die Tabus rund um die Sexualität und Familienplanung motivierten uns zu dieser Neuorientierung. Ein Drittel der Frauen in Haiti gebären ihr erstes Kind vor ihrem 20. Geburtstag, 66 % von ihnen unfreiwillig. Offiziell sind 3 von 10 Frauen von geschlechtsbezogener Gewalt betroffen, doch die Dunkelziffer ist deutlich höher. Die gesellschaftliche Akzeptanz von Gewalt, die erlebten Traumata, die Stigmatisierung der Opfer oder etwa die wenig zugängliche Hilfe und Informationen halten Überlebende davon ab, Misshandlungen anzuzeigen.

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Antoine Morata
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